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Festveranstaltung 100 Jahre Rheinbrücke Urmitz

Eine tolle Gemeinschaftsleistung

100 Jahre Rheinbrücke Urmitz

Am 21. Juli 2018 fand in Urmitz eine Jubiläumsfeier anlässlich "100 Jahre Rheinbrücke" statt. In der Urmitzer Schulchronik wird dazu am 15.8.1918 wie folgt berichtet:

„Heute vormittag um 10.30 Uhr fand die Eröffnung des Verkehrs über die neue Kronprinzen-Brücke mit einer kleinen Feier statt. Erschienen waren der Minister für öffentliche Arbeiten v. Breitenbach, der kommandierende General des 8. Armeekorps v. Schmittow, Oberpräsident v. Groote und Minister Rheinbaben, die Bürgermeister von Coblenz und Neuwied und einige andere hohe Beamte. Nach einem kurzen Frühstück fuhren die Teilnehmer mit dem Dampfer „Preußen“ nach Coblenz zurück. Nach der Eröffnung der Kronprinzen-Brücke zählt man jetzt 19 feste Rheinbrücken auf der deutschen Stromstrecke.“

Diese Geschichte wurde jetzt in abgewandelter Form nochmals nachgestellt. Bis in den frühen Morgen wurde das Ereignis auf der Rheinwiese gefeiert. Ein großes Dankeschön an alle, die sich dafür zur Verfügung gestellt haben. Möglich war dies Dank des großen Engagements von Johannes Dott und einer Vielzahl von Helfern.

100 Jahre Rheinbrücke Urmitz
100 Jahre Rheinbrücke Urmitz
100 Jahre Rheinbrücke Urmitz
100 Jahre Rheinbrücke Urmitz
100 Jahre Rheinbrücke Urmitz
Urmitz
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100 Jahre Rheinbrücke Urmitz
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100 Jahre Rheinbrücke Urmitz

Festrede von Ortsbürgermeister Norbert Bahl

Liebe Urmitzer, liebe Gäste,

unsere Rheingemeinde ist bekannt dafür, dass Traditionen gepflegt und Feste ausgiebig gefeiert werden. Zusammen zu feiern ist ein Zeichen der Lebensfreude und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Deshalb bedanke ich mich ganz herzlich bei allen, die zum Gelingen der heutigen Veranstaltung beigetragen haben. Besonders hervorheben möchte ich das große Engagement von Johannes Dott, der dankenswerterweise die Gesamtorganisation übernommen und die schöne Festbroschüre gestaltet hat.

Seit ewigen Zeiten wurde Handel entlang der Flüsse getrieben. Deutliches Zeichen dafür sind die vielen Treidelstationen die es hier in Urmitz und überall entlang des Rheines gab. Mit Booten, Flößen und über Fähren wurde lebhafter Handel getrieben. Aber Brücken hatten eine ganz besondere Bedeutung für Menschen, die an Flüssen gelebt haben. Hier war der dauerhafte Austausch über die Stromseiten hinweg gegeben.

So war es für Urmitz sicherlich ein herausragendes Ereignis, als der Oberpräsident der preußischen Rheinprovinz im April 1916 - also während des 1. Weltkriegs - bekannt gab, dass mit dem Bau einer Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Engers und Urmitz begonnen wird. Aus militärstrategischen Gründen hatte der preußische Generalstab drei Eisenbahnbrücken zwischen Köln und Mainz gefordert. Dies waren – neben unserer - die Hindenburgbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim sowie die Ludendorff-Brücke bei Remagen. Der Brücke zwischen Engers und Urmitz, wurde im Mai 1918 durch Kaiser Wilhelm II. der Name Kronprinz-Wilhelm-Brücke verliehen.

In der Urmitzer Schulchronik ist unter dem 24. März 1916 verzeichnet: „Heute kamen die ersten Arbeiter ins Dorf, welche den Bau einer Eisenbahnbrücke ungefähr 500 m oberhalb des Urmitzer Werthes für die Bahn Neuwied-Koblenz in Angriff nehmen“.
Im Juli 1916 konnte bereits mit den Arbeiten am dritten Strombrückenpfeiler begonnen werden. Laut der Engerser Schulchronik arbeiteten bis zu 200 Kriegsgefangene auf der Brückenbaustelle, was sicherlich auch die schnellen Baufortschritte erklärt. Bei der Urmitzer Volkszählung am 1. Dezember 1916 wurde vermerkt, dass sich unter den 523 männlichen Personen des Ortes 91 Brückenarbeiter befinden.

Im April 1917 erreichten es die Gemeinden Urmitz und Kaltenengers in Verhandlungen mit der Eisenbahnverwaltung, dass die Eisenbahnbrücke mit Fußgängerstegen versehen wurde. So war eine ständige, wetterunabhängige und feste Verbindung zwischen den beiden Rheinufern gewährleistet. Bis dahin war die Fährverbindung zwischen den Ufern oft durch Hochwasser, Nebel und Eisgang unterbrochen.

Bereits im Sommer 1917 waren die Arbeiten an der Brücke so weit fortgeschritten, dass mit dem Auflegen der schweren Eisenkonstruktion begonnen werden konnte. Der 180 Meter lange Brückenbogen war damals der größte aller Rheinbrücken. Offiziell eröffnet wurde die Brücke im August 1918. Für den Verlauf des 1. Weltkrieges, der im November 1918 endete, spielte die Brücke somit keine Rolle mehr.

In unserer Schulchronik wird zur Brückeneinweihung am 15.8.1918 wie folgt berichtet: „Heute vormittag um 10.30 Uhr fand die Eröffnung des Verkehrs über die neue Kronprinzen-Brücke mit einer kleinen Feier statt. Erschienen waren der Minister für öffentliche Arbeiten v. Breitenbach, der kommandierende General des 8. Armeekorps v. Schmittow, Oberpräsident v. Groote und Minister Rheinbaben, die Bürgermeister von Coblenz und Neuwied und einige andere hohe Beamte. Nach einem kurzen Frühstück fuhren die Teilnehmer mit dem Dampfer „Preußen“ nach Coblenz zurück. Nach der Eröffnung der Kronprinzen-Brücke zählt man jetzt 19 feste Rheinbrücken auf der deutschen Stromstrecke.“

Insofern haben wir heute die Geschichte nochmals im Kleinen nachgestellt. Die handelnden Personen haben sich allerdings etwas den neuen Zeiten angepasst. Herzlich begrüßen darf ich stellvertretend für die Landesregierung Herrn Thomas Linnertz, Präsident der ADD RLP. Ein immer wieder gern gesehener Gast in unserer Mitte ist unser Landrat Dr. Alexander Saftig. Herzlich willkommen. Als Vertreter der rechten und linken Rheinseite sind der Beigeordnete der Stadt Neuwied Dieter Mees und der Beigeordnete Herbert Nickenig vor Ort. An die Stelle des Dampfers „Preußen“ ist das Feuerlöschboot RLP 1 getreten, wofür ich Herrn Meik Maxeiner und seinem Team von der Feuerwehr Koblenz sehr dankbar bin. Vervollständigt wird die Gruppe durch unseren Pastor Thomas Gerber, damit die Veranstaltung insgesamt Gottes Segen hat. Den hatte man 1918 vergessen.

Zurück zur Geschichte. Nach langwierigen Bemühungen wurde endlich am Sonntag, dem 15. September 1935, der Bahnhaltepunkt Urmitz-Rheinbrücke feierlich dem Verkehr übergeben.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges wurden im Jahr 1940 die Brückenauffahrten ausgebaut und die Brücke ausgebohlt, damit die Brücke neben dem Eisenbahnverkehr auch mit Militärfahrzeugen befahren werden konnte. Den Urmitzer Bürgern wurde bald bewusst, dass eventuelle Bombenangriffe der Alliierten auf die für das Militär wichtige Brücke eine große Gefahr für den gesamten Ort bedeuteten. Bis zum Ende des Jahres 1944 blieb die Brücke von Kriegseinwirkungen jedoch weitgehend verschont.

Mit dem Jahreswechsel 1944/45 wurden die Kriegseinwirkungen für die Urmitzer immer gefährlicher. Am 2. Januar 1945 fielen die ersten Bomben und beschädigten in der Koblenzer Straße mehrere Häuser, die zum Teil nicht mehr bewohnbar waren. Zahlreiche Berichte zu Bombenangriffen der folgenden Tage und Wochen wurden chronologisch erfasst und niedergeschrieben.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Walter Häring, der sich mit seinen heimatgeschichtlichen Forschungen um die Gemeinde verdient gemacht hat.

Seit der Nacht zum 7. März gab es ein großes Gedränge auf der Hauptstraße in Richtung Brücke. Nach der Zerstörung der Weißenthurmer Straßenbrücke gab es im Neuwieder Becken als einzige feste Verbindung zur rechten Rheinseite nur noch die Urmitzer Eisenbahnbrücke. Die deutschen Soldaten flüchteten ohne feste Ordnung vor den schnell von der Eifel herannahenden amerikanischen Truppen. Tag und Nacht ging der Rückmarsch durch die enge Urmitzer Hauptstraße weiter. Manche Fahrzeuge blieben wegen Spritmangel stehen. Total übermüdet suchte jeder sein Heil auf der rechten Rheinseite.

Am 8. März 1945 rückte dann der amerikanische General Irzyk mit seinem 8. Panzer-Bataillon von Mülheim auf Urmitz zu. Nachdem er beim ersten Vorstoß der Panzer Richtung Brücke unter starken Beschuss der deutschen Flak geriet, stoppte er den Angriff und zog seine Panzer zurück. Die amerikanische Artillerie feuerte ununterbrochen die ganze Nacht hindurch auf die deutschen Stellungen, um den Weg für einen Angriff auf die Brücke bei Tagesanbruch des 9. März 1945 freizumachen.

Trotz Artilleriebeschuss der Amerikaner ging der Rückzug der deutschen Soldaten über die bereits für eine Sprengung vorbereitete Brücke in der Nacht vom 8. zum 9. März weiter. Am frühen Morgen gelang der Vorstoß der amerikanischen Panzer ohne Gegenwehr. Kurz bevor sie die Brücke erreichten, wurde diese, obwohl sie noch voller Menschen war, durch die deutsche Wehrmacht gesprengt, um den weiteren Vormarsch der alliierten Truppen zu verhindern. Viele persönlich geschilderten Eindrücke von Alt-Urmitzern aber auch ehemaligen Wehrmachtsangehörigen beschreiben die Geschehnisse.

Die Inschrift auf dem am 9. März 2012 errichteten Gedenkstein in den Urmitzer Rheinanlagen, oberhalb der Grillhütte, erinnert uns an das furchtbare Ereignis zwei Monate vor dem Ende des 2. Weltkrieges. Kürzlich wurde dem Gedenkstein noch ein Original-Brückenteil der Kronprinzenbrücke beigefügt. Dafür ein besonderer Dank an den Spender Werner Höfer sowie Rüdiger Alke, der den fachkundigen Einbau vorgenommen hat.
Die im Jahr 1948 eingestellten Arbeiten zum Wiederaufbau der Urmitz-Engerser Rheinbrücke fanden erst im August/September 1952 wieder ihren Fortgang. Um die Arbeiten etwas zu vereinfachen, plante man den Wiederaufbau als Gurtbrücke, nicht jedoch als Bogenbrücke. Am 23. Mai 1954 wurde die wiederhergestellte Brücke dem Verkehr übergeben.

Damit war fast ein Jahrzehnt nach Kriegsende die direkte Verbindung zwischen Koblenz und Neuwied wiederhergestellt. Diese stand jedoch nur rund zwei Jahre, denn am 25. August 1956 entwickelte sich auf der Brücke ein Brand. Durch den starken Seitenwind angefacht, dehnte sich das Feuer rasch aus und musste von mehreren Feuerwehren bekämpft werden. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich langwierig. Erst im Mai 1957 konnte der Zugverkehr über die Brücke wieder aufgenommen werden.

Schließlich begannen im Dezember 1961 die Arbeiten zum endgültigen zweigleisigen Ausbau der Brücke. Am 22. September 1962 wurde die nun zweigleisige Brücke wieder dem Verkehr übergeben.

Im November 1963 wurde dann nach 18 Jahren Unterbrechung der Fußgängersteg an der Brücke wiedereröffnet. Der Baubeginn hatte sich wegen der Diskussionen über die Finanzierung der Baukosten bzw. die finanzielle Beteiligung der Gemeinden, insbesondere Urmitz, Kaltenengers und Engers, jahrelang verzögert. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1963. Landrat Rittel weihte nach der Fertigstellung im November 1963 den 610 Meter langen Brückensteg ein.

Im Spätsommer des Jahres 2000 brach ein Pferd, das am Zügel über den Fußgängersteg geführt wurde, durch die Betonplatten und stürzte in den Rhein. Glücklicherweise konnte sich das Tier leicht verletzt ans Ufer retten. Bei der folgenden Untersuchung des Steges stellte sich heraus, dass die Bodenplatten aus Beton zum größten Teil schadhaft sind. Daher mussten Ende August 2001 der Brückensteg gesperrt und die Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.

Die Haltestelle Urmitz-Rheinbrücke, die für die Urmitzer die bequemste Verbindung im öffentlichen Personennahverkehr nach Neuwied oder Koblenz darstellte, wurde im September 1987 von der Deutschen Bundesbahn aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Fahrplan genommen. Bei Verkehrszählungen hatte sich ergeben, dass die 34 Züge, die täglich hier hielten, nur von 60 Fahrgästen in Anspruch genommen wurden.

Seit der Schließung der Bahnhaltestelle hat jedoch die Zahl der Pendler aus Urmitz nach Koblenz wieder zugenommen, so dass sich der Gemeinderat im Jahr 1996 auf Initiative meines Vorgängers Manfred Kuhn entschied, die Wiedereröffnung zu betreiben. Bis zur erneuten Einrichtung des Haltepunktes Urmitz-Rheinbrücke waren umfangreiche Investitionen nötig, die insbesondere neuen technischen Vorgaben der Deutschen Bahn geschuldet waren.

Seit 2006 hält die Regionalbahn wieder stündlich in Urmitz und erfreut sich steigender Beliebtheit bei Urmitzern, die nach Koblenz oder Neuwied staufrei zur Arbeit pendeln oder jetzt auch bei Touristen, die auf unserem Wohnmobilstellplatz Station machen.

Ich danke den vielen Vereinen und Einzelpersonen, die aus Idealismus zum Gelingen der heutigen Veranstaltung beitragen und wünsche uns allen hier einige schöne Stunden.

Möge unsere alte Rheinbrücke hier noch lange stehen!

Kontakt

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56220 Urmitz

Tel: (02630) 70 48
Fax: (02630) 96 93 61

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