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Schiffer gehen von Bord

Mitgliederversammlung am 19. März

Die heutige Mitgliederversammlung des Urmitzer St. Nikolaus Schiffervereins war für alle Anwesenden eine bewegende Veranstaltung. Als einziger Tagesordnungspunkt stand der Beschluss zur Auflösung des Traditionsvereins an.

Schon längere Zeit zeichnete sich ab, dass sich kein Nachfolger für Friedhelm Elingshausen als erster Vorsitzender finden würde. Gründe dafür waren, dass es immer wenige aktive Schiffer gibt und die verbleibenden Vereinsmitglieder vom Alter her kaum noch die Vereinsaufgaben, wie zum Beispiel die Unterhaltung von Schiffermast und Aalschokker ausüben konnten. Deshalb leitete Friedhelm Elingshausen die geordnete Vereinsauflösung beim Amtsgericht in die Wege. Sein plötzlicher Tod am 3. März hatte alle Vereinsmitglieder geschockt. Nach einer Schweigeminute zum Gedenken an den langjährigen Vorsitzenden musste deshalb Friedhelm Repp in seiner Funktion als 2. Vorsitzender über die Auflösung beschließen lassen.

Ortsbürgermeister Norbert Bahl nutzte die Gelegenheit, sich im Namen der Ortsgemeinde beim Schifferverein für sein erfolgreiches Wirken in den 94 Jahren seines Bestehens zu bedanken, hinterlässt der Schifferverein mit Schiffermast und Aalschokker doch Denkmäler der Schifffahrt, die mittlerweile prägend für das Ortsbild der Rheingemeinde geworden sind.

Eine wechselvolle Geschichte

Gründungsort des St. Nikolaus-Schiffer-Verbandes ist das Kloster Bornhofen. Am 16. Mai 1905 haben verantwortungsbewusste Männer der Kirche, der Politik und des Schifferstandes in Kamp-Bornhofen den Verband gegründet. Das war der krönende Abschluss von drei „Nikolaus-Schifferkonferenzen“. Diese Selbsthilfe der Schifffahrtstreibenden führte zu einer anerkenneswerten Förderung und Hebung des Ansehens des ganzen Berufsstandes.

Die Anfangsjahre in Urmitz
Schon seit Menschengedenken ist Urmitz als Schifferort bekannt. Aus einer Versammlung von 40 Schiffern wurde am 26. Mai 1923 der St. Nikolaus Schifferverein gegründet. Bei der am gleichen Tag stattfindenden Vorstandswahl wurde Johann Höfer zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er verstarb jedoch schon nach zweijähriger Vereinsführung am 6. Juni 1925. Nachfolger wurde Peter Mehren, ihm folgte 1926 Konrad Nollen. Stetes Anwachsen der Mitgliederzahl und eine rührige Vereinsführung ermöglichten schon drei Jahre nach der Vereinsgründung die Anschaffung einer Vereinsfahne. Die Fahnenweihe, verbunden mit einem Fest, fand am 8. August 1926 statt. Als Symbol der Urmitzer Schiffer wurde in der Folgezeit die Fahne bei vielen Festen in Urmitz und auch außerhalb getragen. Sie hat aber auch viele Kameraden auf ihrem letzten Weg begleitet. Der jährliche Nikolausball mit Kinderbescherung wurde bereits 1925 eingeführt und ist immer noch fester Bestandteil der Vereinstradition.

Die Kriegsjahre
Der unselige 2. Weltkrieg brachte die Vereinsaktivitäten fast völlig zum Erliegen. Alle jungen Mitglieder und viele Familienväter mussten Familie und Schiff verlassen und in den Krieg ziehen. Wilhelm Feuerpeil, Johann Friesenhahn und Josef Friesenhahn ließen ihr Leben für die Heimat. Der Rückzug der deutschen Truppen über den Rhein bedeutete nicht nur den Niedergang des „tausendjährigen“ Reiches, sondern vernichtete auch die Rheinschifffahrt fast völlig. Nach und nach wurden von den Reedereien die früheren Besatzungsmitglieder der Schiffe wieder zurückgerufen, um zu helfen, die entstandenen Schäden wieder zu beheben.

Wiedergründung
Am 1. September 1949 trafen sich zum ersten Mal wieder 19 Mitglieder unter dem Vorsitzenden Konrad Nollen, um den Verein wieder neu zu formieren. Auf der ersten Generalversammlung nach dem Kriege, am 24. Dezember 1949 wurde Peter Ramberger zum 1. Vorsitzenden gewählt. Gleichzeitig ernannte man den scheidenden Vorsitzenden Konrad Nollen zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden.

Schiffermast
Der St. Nikolaus-Schifferverein beschloss Pfingsten 1952, am Rheinufer am Ende der Kirchstraße einen Schiffermast aufzustellen. Mit diesem Fahnenmast sollte das Rheinbild von Urmitz verschönert werden. Der 17,50 Meter hohe Schiffermast wurde aus kräftigen Stahlrohren errichtet, an deren Verspannungen die Flaggen der auf dem Rhein fahrenden Schiffe und ihrer Reedereien angebracht sind. Pfingsten 1954 fand die feierliche Einweihung statt. Die Mastweihe war ein Ereignis für Urmitz. Unzählige Gäste aus nah und fern hatten sich eingefunden. An Pfingsten 1979 wurde mit einem dreitägigen Fest der Mastweihe vor 25 Jahren gebührend gedacht.Der Schiffermast ist heute ein Zeichen der Verbundenheit des Ortes mit der Rheinschifffahrt. Viele Schiffer grüßen deshalb auch, wenn Sie die Urmitzer Rheinfront passieren.

Mutter-Gottes-Statue
Am 10. Mai 1964 hatte der Schifferverein Urmitz einen ganz besonderen Grund zum Feiern. An diesem Tag wurde die Mutter-Gottes-Statue auf der Kirmesmauer eingeweiht. Die Statue wurde von der Reedersfrau Elisabeth Jaegers gestiftet, die aus Urmitz stammt.

Aalschokker
Die Aalfischerei spielte bei uns bis zum Beginn der sechziger Jahre eine nicht unbedeutende Rolle.
Der Fischer Heinrich Frings und seine beiden Brüder besaßen drei Aalschokker. Die Schiffe lagen in der Fangsaison der Aale, vor allem im September und Oktober, versetzt zueinander bei Rheinkilometer 604 in der Fahrrinne, mit festen Seilen am Ufer vertäut. Für den Fang waren drei Frischwasserbecken mit einer Länge von 4,55 m, einer Breite von 1,60 m und einer Höhe von 1,45 m bis 1,75 m an Bord. Das Fischernetz war 25 m lang und 12 m breit. Die Fänge fanden nachts statt, da dann die Aale mit dem Strom "flossen" und in die Netze gerieten. Bis zu 6 Zentner Fisch wurden so pro Nacht eingeholt.
Den letzten der Aalschokker gaben die Gebrüder Frings 1964 auf und er diente schließlich als Steiger-Schwimmer. Als das Wasser- und Schifffahrtsamt die Verschrottung verlangte, beschloss der St. Nikolaus-Schifferverein im Jahr 1986, das 15 Meter lange und fünf Meter breite Schiff zu landen, auf den Rheinwiesen vor Urmitz zu verankern und als Denkmal für die Rheinfischerei zu pflegen.
Während eines Rheinhochwassers 1987 gelang es, den Schokker auf den Rheinwiesen zu verankern, wo er später einbetoniert wurde. Am 21. und 22. Mai 1988 wurde dieses 'Denkmal' mit einer Feier eingeweiht.

Neue Vereinsfahne
An Pfingsten 1986 wurde die neue Vereinsfahne eingeweiht. Mit vielen Gastvereinen und allen Ortsvereinen wurde dieses Ereignis zünftig gefeiert. Monsignore Weinmann zelebrierte am 18. Mai die heilige Messe, und er ließ es sich nicht nehmen, die Fahne selbst zu weihen.

Fahnenmast
Als letzte große Aktion des Schiffervereins ist das Aufstellen eines Fahnenmasts vor der Peter-Häring-Halle zu nennen. Gestiftet haben den großen Fahnenmast aus Edelstahl die Familien Gregor und Klaus-Friedrich Will. Zuletzt stand er im Vorgarten von Gregor Will in Urbar. Jetzt verschönert er den Eingangsbereich der Halle und kann bei diversen Veranstaltungen als Werbeträger genutzt werden.

Neuzeit
Wenn auch der Schifferberuf nicht mehr mit dem zu vergleichen ist, was er in den Jahren der Vereinsgründung war, blieb doch der Blick immer nach vorne gerichtet, getreu dem Motto: „Allzeit gute Fahrt, in Gottes Namen“.
Seit Jahrzehnten engagiert sich der Schifferverein neben den vielen Vereinsveranstaltungen bei vielen örtlichen Veranstaltungen. Genannt seien an dieser Stelle die Unterstützung beim jährlichen Aufstellen des Kirmesbaums oder der Einsatz als Koch-Team beim Umwelttag der Gemeinde.

Stellvertretend für den Schifferverein konnte im September 2016 der amtierende Vorsitzende Friedhelm Elingshausen am Bürgerfest des Bundespräsidenten in Berlin teilnehmen. In der Vorschlagsbegründung hatte Ortsbürgermeister Norbert Bahl darauf hingewiesen, dass die Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit rund ums Jahr viele Stunden opfern, um die äußeren Symbole der Schifffahrt in Urmitz zu erhalten.

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