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Ölgemälde von Johann Baptist Bachta

Die älteste bekannte bildhafte Darstellung eines Teilbereichs des Urmitzer Rheinufers, zwischen Schulgasse und Kirchgasse, malte Johann Baptist Bachta im Jahre 1848. Das Gemälde, Öl auf Holz, hat das Format 43 cm Breite mal 33 cm Höhe und ist mit einem vergoldeten Schmuckrahmen verziert. Auf der Rückseite finden wir die Signatur: Joh: Bachta f. in Coblenz 1848.

2013/2014 wurden das Gemälde und der Rahmen von Dipl.-Restaurator Tilmann Holly in Kruft fachgerecht restauriert. Wie die Licht- und Schattenwirkung zeigt, malte Bachta dieses Bild am frühen Abend eines sonnigen Sommertages. Dadurch erhält die detailgetreue Wiedergabe eine gewisse Plastizität.

Die Außenfassade der zwischen 1772-1776 von Johannes Seiz erbauten Pfarrkirche St. Georg mit abgesetztem Chor und Dachreiter wirkt für ein spätbarockes Bauwerk relativ schlicht. An der Evangelienseite der Kirche erkennen wir die damalige Sakristei und auf der gegenüberliegenden Seite das in den Jahren 1810/1812 erbaute Pfarrhaus.

An der Giebelseite des Hauses Schulgasse Nr. 18 (heute Rheinstraße) weht eine schwarz-rot-goldene Fahne. Dies zeigt die aktuelle politische Situation des Jahres 1848. Schon 1832, während des Hambacher Festes, wurde die schwarz-rot-goldene Fahne zum Symbol der bürgerlichen Freiheitsbewegung und ihre Forderung zur Einrichtung eines einheitlichen Nationalstaates.

Auch bei der Märzrevolution von 1848 (und 1849) wurde die schwarz-rot-goldene Fahne im gesamten deutschen Reich das Symbol für Demokratie und Freiheit. Johann Baptist Bachta zeigte also bei diesem Gemälde im Jahre 1848 politisch Flagge! Es ist auch denkbar, dass an dieser Stelle tatsächlich die Fahne der Revolution wehte, denn durch die Entwicklung der Dampfschifffahrt verloren die Halfer allmählich ihre Erwerbsmöglichkeiten. Bei der Revolution von 1848 spielten jedenfalls am Mittelrhein die Proteste der Halfer gegen die Dampfschiffe eine gewisse Rolle. Am 3. und 4. April 1848 wurden von Weißenthurmer Halfern sogar Flintenschüsse auf vorüberfahrende Dampfschiffe abgefeuert. Die steile Uferböschung zeigt den Zustand des befestigten Rheinufers nach der großen Stromregulierung zugunsten der Dampfschifffahrt im 19. Jahrhundert.

Auf dem Leinpfad werden Szenen aus dem Alltag dargestellt. Zwei Halfer ziehen ein kleines Segelschiff rheinaufwärts. Eine Frau trägt einen Weidenkorb auf dem Kopf. Auf diese Weise transportierten zum Beispiel Urmitzer Frauen ihre Gartenerzeugnisse zur Weißenthurmer Fähre, um diese auf dem Neuwieder Markt zu verkaufen.

In der Nähe des kleinen Segelschiffs, am sogenannten Kirchgassen-Ritt, haben sich mehrere Urmitzer Bürger mit ihren Kindern eingefunden, um ihren neuen Pfarrer zu begrüßen. Das Gemälde von 1848 zeigt nämlich als Vordergrund-Staffage die Rheinüberfahrt mit der damaligen Urmitzer Fähre bei der Einführung des Urmitzer Pfarrers Johann Wilhelm Unschuld im März 1847, der zuvor als Pfarrer auf der anderen Rheinseite, in Neuwied, wirkte.

Der vollbesetzte Fährnachen zeigt vorne den Ruderer, der sich mächtig ins Zeug legen muss, und am Heck den Steuermann. Von 1847 bis 1852 hatte der Urmitzer Schiffer Simon Elingshausen die Urmitzer Fähre von der Provincial-Steuer-Direktion in Köln für 18 Thaler im Jahr gepachtet. Die Fähre fuhr je nach Bedarf. Auf der rechten Rheinseite befand sich die Anlegestelle oberhalb des Werthes, etwa bei der heutigen Eisenbahnbrücke und auf der Urmitzer Seite bei der Kirche. Beim Übersetzen von der linken zur rechten Rheinseite musste demnach zunächst stromaufwärts gerudert, beziehungsweise getreidelt und gestakt werden, ein wahrlich mühsames Geschäft, weshalb dieser Fährbetrieb auch nicht lange bestand. Zudem boten die Fähren zwischen Kaltenengers und Engers sowie zwischen Weißenthurm und Neuwied ihre Dienste an.

Für den Fährmann Simon Elingshausen war es wohl eine Ehrensache, den neuen Urmitzer Pastor Johann Wilhelm Unschuld mit Gefolge im März 1847 sicher über den Rhein zum Urmitzer Ufer zu transportieren. Im Fährnachen sehen wir vorne einen Fahnenträger mit roter Prozessionsfahne und einen Messdiener mit dem Vortragekreuz, das heute noch bei Prozessionen getragen wird. Am Bug und in der Mitte des Fährnachens sitzen die beiden Sendschöffen mit ihren gedrechselten Stäben, dem Symbolzeichen der innerkirchlichen Ordnungshüter. Ferner erkennen wir Männer und vor allem Frauen in ihrer fabenfrohen Sonntagstracht und im hinteren Bereich stehend Pfarrer Johann Wilhelm Unschuld mit aufgeschlagenem Buch. Es wurde wohl eifrig gebetet und gesungen. Diese feierliche und friedvolle Atmosphäre wird untermalt durch die Spiegelungen auf der glatten Oberfläche des Rheins.

Walter Häring im Heimatbuch des Kreises Mayen-Koblenz 2015. Dort sind auch weiterführende Informationen zu Pfarrer Johann Wilhelm Unschuld und Johann Baptist Bachta zu finden.

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