Seitenanfang

Die Wegkreuze Im Graben

Die heutige Ringstraße (Im Graben) war bis etwa im Jahre 1900 die südliche Ortsbegrenzung. (Der Bereich "Am Alten Schloss" lag außerhalb des Ortskerns.) Die Fronleichnamsprozession ging früher um das Dorf herum. Nur die Kirmesprozession geht heute noch diesen alten Prozessionsweg. Nach den Glaubensvorstellungen unserer Vorfahren hatte dieser Prozessionsweg eine gewisse Schutzfunktion. Das galt auch für die "strategische" Platzierung der Wegkreuze im Außenradius der Ringstraße.

Das Kreuz des Schultheis

Am ersten Haus der Kreuzung Hauptstraße / Ringstraße, der früheren Grabenstraße, erhebt sich aus einem pyramidenartigen Sockel ein Basaltkreuz mit Corpus und Schriftrolle INRI.

Auf dem hochgezogenen Schaft lesen wir die Inschrift: 1730 / ZV EHREN GOTTES HAT HER / SIBASTIA / DÖTSCH / GEWESE / NER KVR / TRIRISCH / ER SCHVL / THUIS DA / HIER / I F

Die beiden letzten Buchstaben bedeuten id fecit hat dieses (Kreuz) gemacht (machen lassen). Auf der Abbildung ist der zweite Querstrich des F schlecht zu erkennen, weil er beim letzten Anstrich nicht ausgezogen wurde. Wenn Sebastian Dötsch sich hier als "gewesener Schultheis" bezeichnet, 1725 aber noch als "Schultheis" erwähnt wird, so darf man annehmen, dass er das Kreuz bei seiner "Pensionierung" als Dank für eine glückliche Amtsführung hat setzen lassen.

Das Wegkreuz des Dietrich vom Hahn

Im Jahre 1658 ließen der Urmitzer Schultheiß Dietrich vom Hahn und seine Hausfrau Elisabeth, geborene Henseler, am damaligen südlichen Urmitzer Ortsrand ein Basaltkreuz errichten. Urmitz zählte zu dieser Zeit etwa 140 Einwohner.

Derselbe Standort des Kreuzes bildet heute den Mittelpunkt des Ortes, beim Rathaus, an der Kreuzung Ringstraße, Koblenzer Straße und Jahnstraße. Dieser Kreuzungsbereich wird seit dem Jahr 2000 nach der französischen Partnergemeinde "Les-Noes-Platz" genannt. Das Basaltkreuz ist in einen Mühlstein von 98 cm Durchmesser eingelassen, aus dem es mit einer Höhe von 235 cm hervorragt. Der Steinmetz ist namentlich nicht bekannt. Kurt Müller-Veltin ordnet das Kreuz der Werkstatt E in Mendig zu. Auffallend ist die absolute Übereinstimmung des Blutengelmotivs im oberen Teil dieses Kreuzes mit einem Kreuz in Obermendig, ebenfalls von 1658. Große Ähnlichkeit erkennen wir auch mit Kreuzen in Niederzissen, Plaidt, Rieden und bei der Fraukirch, die wohl alle aus der besagten Werkstatt E in Mendig stammen.

Es handelt sich hier also um ein sogenanntes Blutengelkreuz. Den Gekreuzigten umschweben drei Engel, die das aus den Nagelwunden tropfende Blut mit einem Kelch auffangen. Der Kruzifixus und die Engel sind am Kreuz halbplastisch herausgearbeitet. Wenn wir nun den Text lesen, bekommen wir einige Schwierigkeiten. So stören uns beim Lesen die willkürlichen Trennungen an den Zeilenenden, und die Schreibweise entspricht natürlich nicht den heutigen Rechtschreibregeln. Ganz besonders stören uns aber die im Text eingestreuten übergroßen, also besonders hervorgehobenen Großbuchstaben.

Wir haben es hier mit einem sogenannten Chronogramm zu tun, einer Zeitaufzeichnung innerhalb des Textes. Die übergroßen Großbuchstaben erfüllen nämlich neben dem lesbaren Text noch einen zweiten Zweck. Sie sind zugleich römische Zahlzeichen, I = 1, V = 5, X = 10, L = 50, C = 100, D = 500.

Beginnen wir nun mit dem Anfang des Stiftertextes und erfassen systematisch die Zahlenwerte, ergibt die Addition die Summe 1658, also die oben angegebene Jahreszahl der Errichtung des Kreuzes. Solche Chronogramme waren besonders in der Barockzeit beliebt. Wie der Stiftertext zeigt, wurde an einigen Stellen auch getrickst, um bestimmte Zahlenwerte zu erreichen, wie HANSELIN, eine etwas eigenwillige weibliche Form des Familiennamens Han (Hahn) in Kombination mit dem Familiennamen Henseler (Elisabeth, geb. Henseler, aus Ehrenbreitstein), um die Zahlenwerte L = 50 und I = 1 zu erhalten. Interessant ist auch das Wort CRVCIFIXIBILTNVS, mit der Endsilbe nus statt nis, weil wohl noch der Zahlenwert Fünf fehlte.

Wegen der besseren Lesbarkeit schauen wir uns nun den gesamten Stiftertext in der normalen Schreibweise an:
AO 1658 DITERICH VON HAN ELISABETH HANSELIN SEIN HAVSFRAVV HABEN DIS CRVCIFIXIBILTNVS ZV EHREN GOTTES HIEHIN EINSTELLEN LASEN

Holzkreuz am Haus Mohr

Das Holzkreuz am Hause Mohr, Ecke Ringstraße/Hauptstraße 69 war bis 1963 dritter Altar der Fronleichnamsprozession.

Der Korpus des Kreuzes wurde in den 1970er Jahren gestohlen. 1985 wurde von Arthur Schwenk ein neuer Holzkorpus geschnitzt, der von der Nachbarschaft bezahlt wurde.

Im Frühjahr 2000 wurde dieser Korpus mutwillig beschädigt, indem die Beine des Christuskörpers abgebrochen wurden. Im Frühjahr 2004, vor der 1250-Jahr-Feier der Gemeinde Urmitz, wurden die Beine des Christuskörpers von Gottfried Hammer ergänzt und zugleich das gesamte Kreuz mit Holzlasur restauriert.

Nach dem Verkauf des Hauses musste das Holzkreuz dort entfernt werden. Der Museumsverein hat die Gelegenheit genutzt, das Kreuz erneut zu restaurieren. Nun wartet es auf einen neuen Standort.

Eine weitere Schutzfunktion hatte das Hochkreuz von 1538 am Kreuzgässchen, welches genau westlich des ehemaligen Ortskerns steht. Westrichtung: Sonnenuntergang, Zeichen des Todes, Schlechtwetterseite ...

Kontakt

Les-Noes-Platz 1
56220 Urmitz

Tel: (02630) 70 48
Fax: (02630) 96 93 61

E-Mail: info@urmitz.de

Bürostunden:
Montag und
Donnerstag:
17.00 - 19.00 Uhr
und
Mittwoch
17.00 - 19.00 Uhr
nach Vereinbarung